Im Gespräch mit dem ehemaligen Schwimmweltmeister Mark Warnecke, heute Arzt und Geschäftsführer der Sporternährungsmarke AMSPORT

AA: Herr Warnecke, warum brauchen Spitzensportler Nahrungsergänzungmittel?

MW: Generell muss man vorwegschicken, dass eine Substitution von Nährstoffen, so wie Marco Koch sie zum Beispiel durchführt, erst ab einem bestimmten Alter Sinn macht. So sollte man beispielsweise bei Kindern darauf achten, dass sie eine ausgewogene Ernährung erhalten. Damit sind junge Sportler bestens versorgt. In diesem Alter ist es noch gar nicht angebracht, über Nahrungsergänzung eine Optimierung zu erreichen. Maximal empfehle ich Eltern von sportbegeisterten Kindern z. B. im Sommer, wenn die Kinder viel Flüssigkeit verlieren, ein ordentlich errechnetes Mineralgetränk als isotonisches Getränk in Leistungsphasen zu verabreichen. Ansonsten reichen die in der Nahrung vorhandenen Nährstoffe aus, sofern es sich um mehr als nur um Currywurst und Milchschnitte handelt. Erst wenn man z. B. im Schwimmsport auf einem Niveau ist, wo man an internationalen Wettkämpfen teilnimmt, bietet sich eine zielgerichtete Substitution an. Und dann haben wir mit der Nahrungsergänzung immer drei Dinge im Fokus:

  1. Eine Substitution fördert eine schnellere Regeneration.
  2. Sie liefert dem Körper ausreichend Nährstoffe, um Verletzungen auszuschließen.
  3. Und drittens erreichen wir durch eine gelungene Regeneration, dass mehr Training möglich ist, so dass eine indirekte Leistungssteigerung erreicht werden kann.

Anders als von vielen angenommen, geht es bei einer Substitution nicht um eine direkte Leistungssteigerung, sondern darum, dass der Sportler durch eine gezielte Nährstoffzufuhr in der Regeneration im Training besser wird und kontinuierlich ein gutes Training absolvieren kann.

AA: Marco Koch arbeitet seit Herbst letzten Jahres noch intensiver mit Ihnen zusammen und ist sehr begeistert von der Aminosäuren-Substitution. Was genau verbirgt sich dahinter?

„Wenn die körpereigenen Aminosäuren ausreichend wieder aufgebaut werden in der Ruhephase, ist das für Leistungssportler von großer Unterstützung.“

MW: Es gibt verschiedene Theorien über die Substitution von Aminosäuren. Ich habe durch meine Erfahrung im Sport und meine medizinische Ausbildung eine eigene entwickelt, die mittlerweile auch in einer wissenschaftlichen Langzeitstudie belegt werden konnte. Fachlich in die Tiefe zu gehen wäre an dieser Stelle sicherlich fehl am Platz, daher versuche ich das jetzt mal anschaulicher zu erläutern: Ich bin vor Jahren durch eine Untersuchung darauf aufmerksam geworden, dass es Aminosäuren im Körper gibt, die der Körper selbst herstellt, die in der Regenerationsphase von Sportlern nicht ausreichend neu gebildet werden konnten. Ich selbst hatte in meiner Leistungssportzeit wiederholt enorme muskuläre Probleme nach dem Training. Ich konnte einfach nicht ausreichend muskulär regenerieren. Die Aminosäuren sind in der Regenerationszeit aber von großer Bedeutung für die Muskeln, aber auch fürs Bindegewebe und den Sehnenapparat. Wenn die körpereigenen Aminosäuren ausreichend wieder aufgebaut werden in der Ruhephase, ist das für Leistungssportler von großer Unterstützung, da zum Beispiel nach harten Trainingsserien eine starke muskuläre Beanspruchung in Form von Muskelkater bereits nach 24 Stunden wieder aufgehoben werden kann. Alle Sportler mit denen wir zusammenarbeiten, die auf einem hohen Niveau unterwegs sind, berichten alle nach der Einnahme solcher Aminosäuren von einer enormen Leistungssteigerung im Training. Die Wahrnehmung und auch die direkte Aktivität zeigen, dass der Körper sehr gut auf diese Aminosäurenzufuhr in der Regeneration anspricht. Wir substituieren daher Aminosäuren, um eine gezielte Regeneration auszubilden. Der Körper verfügt kaum über Proteinspeicher. Wenn jedoch bei starker Belastung Proteine gebraucht werden, versucht sich der Körper dort Nährstoffe zu holen, wo sie zu finden sind. Das ist zum Beipsiel im Bindegewebe der Fall, an Sehenansätzen, im gesammten Fasziensystem. Übrigens finden hier auch vermehrt Sportverletzungen statt. Dem versuchen wir durch eine Ergänzung von Aminosäuren entgegenzusteuern.

AA: Sie bieten Sportlern eine individuelle Beratung an. Was können Sie Sportbegeisterten als Tipp in Bezug auf Nahrungsergänzungsmittel mitgeben.

MW: Ja, die Beratungsleistung nehmen wir sehr ernst. Wir haben großen Spaß an einer umfassenden Kundenbetreuung und möchten ja auch, dass das, was wir entwickeln und herstellen, auch richtig verwendet wird und beim Sportler Erfolge zeigt. Das ist unsere Passion. Darauf legen wir großen Wert. Als sogenannter „Leistungssportler im Breitensport“ zum Beispiel braucht man gar nicht sein individuell zusammengestelltes Pulver, sondern man muss lediglich herausfinden, wo und wann der Sportler Bedarf hat, Ergänzungsmittel zu nehmen. Das unterstützen wir gern durch unsere Arbeit. Dennoch geht es bei einer Substitution wie gesagt um eine indirekte Leistungssteigerung. Generell wichtig dabei ist die Eigenverantwortung des Sportlers. Einem Überpacen zum Beispiel kann auch mit Nahrungsergänzungsmitteln nicht entgegengesteuert werden.

AA: Herr Warnecke, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Mark Warnecke war jahrelang im Schwimmsport zu Hause. 2005 wurde er im Alter von 35 Jahren Weltmeister über 50 m – im Selbstversuch mit einer gezielten Aminosäuren-Substitution – und gilt damit bis heute als ältester Schwimmweltmeister aller Zeiten. Heute leitet er das erfolgreiche Unternehmen AMSPORT (www.amsport.de) und ist damit unter anderem als Ernährungsberater von Hochleistungssportlern diverser Sportarten tätig, darunter auch Marco Koch.

Das Interview führte Alexandra Albert (www.alexandraalbert.de).